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Höhlenunfälle vermeiden und richtig handeln, wenn es doch passiert!

Unterkühlung

Auf die Unterkühlung wird im Rahmen üblicher Erste-Hilfe-Lehrgänge kaum oder gar nicht eingegangen. Da die Unterkühlung aber für den verunfallten Höhlenforscher neben seiner ursprünglichen Verletzung das Hauptproblem ist, ja sogar ganz ohne anderweitige Verletzung zum Problem werden kann, gehen wir hier an dieser Stelle darauf ein.


Was genau ist eigentlich "Unterkühlung"?

Normalerweise beträgt die Körpertemperatur um die 37° C. Der Körper versorgt seine inneren Organe sowie die Extremitäten und die Haut mit annähernd gleich warmem Blut. Sinkt die Körpertemperatur unter 36° C, kommt es zur beginnenden Unterkühlung (grch. Hypothermie).

Je nach Fortschritt der Unterkühlung schaltet der Körper dabei sogar die Wärmeversorgung der Extremitäten und der Haut ab. Es kommt zur sogenannten "Zentralisation", der Körper konzentriert seine Wärmeversorgung auf die lebenswichtigen Organe (Gehirn, Lunge, Herz, innere Organe) im Körperkern. Sinkt die Körperkerntemparatur weiter, kommt es zu lebensbedrohlichen Ausfällen in den Organen!

Allgemein werden drei Stadien der Unterkühlung unterschieden:

"Milde Hypothermie", Abwehrstadium

Anzeichen:

Je mehr die Körperkerntemperatur fällt:

"Mittelgradige Hypothermie", Erschöpfungsstadium

"Schwere Hypothermie", Bewusstlosigkeit

Ab hier herrscht Lebensgefahr - Wiederbelebungsmaßnahmen haben Vorrang vor Wiedererwärmung!

Hier kann die Unterkühlung sogar zum Helfer werden: wegen des verlangsamten Stoffwechsels sind die Chancen zur Wiederbelebung wesentlich besser als unter normalen Umständen. Daher:

Der Patient ist erst tot, wenn er warm und tot ist!


Ursache für Unterkühlung in Höhlen

Viele dieser Ursachen können auch die Tourkollegen der verunfallten Person treffen!

Grundsätzlich müssen wir daher bei jedem Verunglückten bzw seinen Tourteilnehmern von einer Unterkühlung ausgehen und, falls keine lebensrettenden Maßnahmen (Wiederbelebung) notwendig sind, vorsichtshalber eine weitere Auskühlung verhindern!


Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unterkühlung

Allgemein:

Bei Phase 1, Abwehrstadium

Phase 2 und 3: Erschöpfungsstadium und Bewusstlosigkeit


Wärme-Material für das Erste-Hilfe-Set

Für das Erste-Hilfe-Set (s. Notfalltonne) empfiehlt es sich, nicht nur eine sondern besser zwei Rettungsdecken dabei zu haben. Notwendige Wärme kann schnell mit Hilfe chemischer Wärmebeutel erzeugt werden. Es gibt welche, die beim Öffnen mit Hilfe des Umgebungs-Sauerstoffs Wärme entwickeln. Diese können aber "verderben". Besser sind gelgefüllte Wärmepacks zum Wiederaufkochen.

Pro Höfo-Team sollte auch ein kleiner Kocher mit Topf dabei sein. Damit können warme Getränke bereitet oder gelgefüllte Wärmepacks wieder aufgekocht werden.

Ein paar Wäscheklammern/Büroklammern und eine Rolle Zahnseide als Schnurersatz ermöglichen es, mit Rettungsdecken ein Wärmezeltdach zu bauen.

Ein paar Teelichter spenden nicht nur heimeliges Licht (wirkt positiv auf die Psyche des Patienten!) sondern geben auch eine gewisse Wärme an das Zelt ab. Aber Vorsicht: Rettungsdecken sind leicht brennbar! Im Outdoorfachhandel gibt es auch kleine und sichere Teelichtlaternen.


Weitere Infos zur Unterkühlung

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